Gedanken zum Kosmos des Profifußballs in der Krise

 

Fußball, eigentlich die schönste Nebensache der Welt….

 

…doch in der Krise zeigt sich leider auch die hässliche Fratze des Profifußballs. Nämlich die reine Profitgier, jämmerlicher Egoismus, heuchlerischer Opportunismus und erbärmlicher Zynismus!!!

Es begann eigentlich, bevor die eigentliche Krise sich entwickelte, mit den abscheulichen und verachtenswerten Aktionen der sogenannten „Ultras“ gegen Dietmar Hopp. Weder DFB noch die DFL zeigten sich eigentlich in dieser Angelegenheit kommunikativ noch entscheidungsfreudig mit klarer Kante und ließen damit bereits erkennen, dass sie keine Konzepte für Krisen und kein Krisenmanagement hatten.

Stattdessen sonnte die DFL sich mit ihrem „Wirtschaftsreport 2020“ selbstbeweihräuchernd in den Sphären des eigenen Kosmos, die ein Normalsterblicher wohl nie erreichen kann. Daten und Zahlen, die die „Macher“ der Bundesliga einfach uneingeschränkt daran glauben ließen, dass es immer nur aufwärts gehen kann und wird. Das alles geschah Mitte Februar 2020. Also zu einem Zeitpunkt, als Corona bereits seit fast drei Monaten die Medien beherrschte, wenn auch ja hauptsächlich „nur“ in China verbreitet, doch auch schon in Italien angekommen.  

Und dann kam die Krise, heftig und erbarmungslos, und die „Macher“ hatten keinen Plan und lamentierten rum…. Geisterspiele, dann Spiele ohne Geister, Aussetzung, Option ohne Geister die Saison zu Ende zu spielen oder nicht oder doch… Es hätte nur noch gefehlt, dass es zu Hamsterkäufen von Spielern gekommen wäre. Und bei alledem ging es darum, dass es ggf. auch „Opfer“ unter den Clubs geben könnte. Dann kam irgendwo dieser „antiquierte“ Gedanke nach Solidarität auf. Und der Erste, der diesen Gedanken gleich verworfen hat, war der ehemalige Solidaritätsprofiteur #1, Watzke, der größte Opportunist unter den ganzen Opportunisten der Liga.

So ruht dann nun zunächst der Spielbetrieb voraussichtlich bis zum 30. April, wohlwissend, dass auch dieser Zeitkorridor weder eingehalten werden kann noch der Verlauf der Krise bis dahin eine vermeintliche „Normalität“ wieder herstellen lassen wird. Aber es muss weitergehen des Profites wegen und deshalb darf auch keine Rücksicht genommen werden, dass es nun Kontakt- und Aufenthaltssperren gibt. So überlegt Hannover 96 aus der 2. Bundesliga (und sicherlich auch alle anderen Clubs der 1. und 2. Liga) nach einer Quarantäne tatsächlich den Trainingsbetrieb mit Kader und Staff von weit über 20 Personen wieder aufzunehmen und dabei den Kader dann gemeinsam zu isolieren. Kleinkinder dürfen nicht auf den Spielplatz, aber die großen Kinder möchten spielen. Eine sehr spannende und vor allem zynische Idee, überhaupt, wenn man bedenkt, dass außer dem Lebensmittelhandel alle anderen Geschäfte, viele Kleinbetriebe und Dienstleister schließen müssen, wegen der Kontakt- und Aufenthaltsbeschränkungen und es keine Ansammlungen von mehr als zwei Personen im öffentlichen Raum geben darf. Auch wenn man hier argumentieren wird, dass es sich um eine Berufsausübung handelt, so ist es aber kein lebensnotwendiger Bereich, der es rechtfertigen würde, dass es hier Ausnahmeregelungen geben kann. Denn durch die Kontaktsperren, Aufenthaltsverbote und Betriebsschließungen geht es für zehntausende Kleinbetriebe um die nackte Existenz bzw. sehr viele dieser Betriebe werden auf der Strecke bleiben. Es geht auch um hunderttausende von Arbeitnehmern, die durch Kurzarbeit einen Großteil ihrer Einkünfte verlieren oder sogar dauerhaft in der Arbeitslosigkeit stranden werden. Und wie zynisch ist es den Bürgern gegenüber, die die Regelungen mit großem Verständnis und Entbehrungen einhalten und solidarisch das Gemeinwohl schützen???

Betroffen sind hier auch insbesondere Unternehmen aus dem Eventbereich, denen sämtliche Aufträge und Veranstaltungen auf unabsehbare Zeit weggebrochen sind. Und hier stellen sich nun die Unternehmen der Fußballunterhaltung auf die gleiche Ebene wie die Realwirtschaft und werden so sicherlich auch noch nach staatlicher Unterstützung rufen. Nur mal so als Überlegung nebenbei, es handelt sich um Unternehmen, wo die das Entertainment ausübenden Protagonisten im Schnitt 1.716.910 € (Stand 2018 – Quelle: Fussballstats.org | Die Outperformer der Fußball-Bundesliga – Saison 2018/2019) im Jahr verdienen. Mit anderen Worten, müssen wir uns also um Großverdiener und Millionäre Sorgen machen?

Nun muss man sicherlich feststellen, dass es durchaus Unternehmen in diesem Business gibt, die genug Luft haben, um auch in der Krise zu atmen. Aber denen, denen angeblich die Luft ausgehen wird, wird vom Chef der Profiabteilung von Hannover 96 - Martin Kind - in der Sendung „Doppelpass“ von Sport 1 am 22.3.2020 attestiert, dass diese als tragfähiges Geschäftsmodell lediglich die eingenommenen Gelder nur umverteilt haben. „Die Clubs haben in all den Jahren von der Hand in den Mund gelebt“, so Kind weiter. Das heißt im Grunde genommen, dass eben viele Clubs oder Profifußballunternehmen ihre Einnahmen direkt für die Anschaffungskosten (exponentiell steigende Transferkosten und exorbitante Beraterkosten) und Aufwendungen (unangemessene, überdimensionierte Gehälter und überflüssige Ablösezahlungen) aufgewendet haben, ohne jemals Liquiditätsreserven zu schaffen. Und mit so einer Unternehmensphilosophie sind diese Unternehmen in die Krise gegangen. Also, nach guter betriebswirtschaftlicher Lesart, es handelt sich um gravierende Managementfehler, oftmals von ehemaligen Stollenträgern, die Unternehmensführung niemals richtig erlernt haben. Hierfür bedarf es aber Personen mit unternehmerischer Weitsicht, unternehmerischem Denken und Handeln, Visionen und Innovationskraft. Auch wenn sicherlich niemand mit einem solchen Ausmaß der Krise rechnen konnte, so hat dieses aber nur einen Prozess beschleunigt, der zwangsläufig irgendwann sowieso eingetreten wäre, nämlich die Überhitzung des Systems. Denn wie immer zeigt sich in einer Krise die Stabilität eines Systems an der Summe von richtigen und falschen Entscheidungen. Wie verantwortungsvoll ist es deshalb, solche Entscheidungen in die Hände von „Amateuren“ (50+1) zu legen??

Aber, auch wenn Fußball, und hier der Profifußball, einen hohen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Stellenwert hat, so hat er aber von der Priorität her bei einer volkswirtschaftlichen Gesamtbetrachtung durchaus keinen systemrelevanten Vorrang. Die Verantwortung hierfür liegt nicht beim Staat und nicht bei den Steuerzahlern, sondern allein bei denen, die sich im „Wirtschaftsreport 2020“ selbst feiern. Und deshalb ist auch die Auslegung von Regelungen zu Kontakt und Aufenthalt in der Krise, so wie sie von den Ländern und Bund beschlossen und angeordnet wurden, auch von einer solchen Organisation einzuhalten ohne Ausnahme und ohne Wenn und Aber. Soweit hier tatsächlich Ausnahmeregelungen für einen Trainings- oder Spielbetrieb geschaffen werden sollten, so ist jeden betroffenen Bürger und Betrieb, dessen Existenz durch die Krise vernichtet wurde, weil er sich stringent an die Anordnungen halten musste, zu empfehlen in jeden Fall es juristisch prüfen zu lassen, ob gegen die  Behörden oder Institutionen ggf. geklagt werden sollte, die eine solche Ausnahme genehmigen, eben weil dann einer profitorientierten Organisation mit „einer unverändert positiven ökonomischen Entwicklung“, die mit „einem Gesamtumsatz von 4,8 Milliarden Euro einen historischen Höchstwert darstellt“, ein doch wohl rechtswidriger Vorteil nach dem Gleichheitsgrundsatz und dem Willkürverbot verschafft wurden wäre.

Nun kann man bereits jetzt feststellen, dass es nach der Krise nicht mehr so sein wird, wie vor der Krise. Und das ist gut so für den Profifußball. Denn statt: „Nicht umsetzbar“, heißt es jetzt: „Es gibt keine Denkverbote“ (Zitat: Martin Kind). Es wäre schon eine bemerkenswerte Richtungsänderung. Ob die aber von den ganzen Opportunisten der Fußballromantik mitgetragen wir

Bereits seit 2015 haben zwei Autoren in zwei fußballwirtschaftlichen Publikationen (aus Respekt und Demut wegen der derzeitigen Krisensituation wird auf eine werbewirksame Nennung der Titel verzichtet – Titel, Verlag, Bezugsquellen können aber gerne angefordert werden unter: info@slv-logistikberatung.de ) aufgezeigt, welche Wege sich für Profifußballclubs explizit ergeben, um sich diversifiziert aufzustellen und damit das wirtschaftliche Risiko zu minimieren. So wurden u.a. auf die Möglichkeiten und Gegebenheiten des deutschen Profifußballs adaptierte Konzepte wie Salary Cap, Entry Draft, Poolung von strategischen Human Ressourcen, Benchmarks, Markenbildung, Interdisziplinarität und wertschöpfende Diversifizierungsopportunitäten aufgezeigt, vorgestellt und beschrieben.

Alles zwar keine Allheilmittel, aber zur rechten Zeit mit den richtigen Entscheidungen umgesetzt, hätte es für den einen oder anderen durchaus mehr Luft zum Durchatmen bringen können. Aber der Profifußball lebt in seinem eigenen Kosmos, wenn er sich selbst bescheinigt, dass durch „verantwortungsbewusstes Wirtschaften erneut deutlich wird, dass 28 der 36 Clubs die Saison 2018/19 mit einem Jahresüberschuss abgeschlossen haben und das Eigenkapital in beiden Ligen ein Rekordniveau erreicht hat.“ (Christian Seifert, Sprecher des DFL Präsidiums).

Also, auch wenn wir alle nicht wissen, ob es nach der Krise unseren Frisör, unseren Bäcker, unsere Lieblingskneipe oder Bar, unseren Blumenhändler, unsere Lieblingsboutique, unsere Lieblings-Italiener, unseren Buchhändler, unseren Schuhladen etc noch geben wird, nach diesen Worten aus dem Präsidium der DFL wird es unseren Lieblingsverein offensichtlich ja wohl bestimmt noch geben, ODER???

 

DENN EIGENTLICH WURDE JA DORT ALLES RICHTIG GEMACHT UND ES DÜRFTE KEINE SORGEN GEBEN!!!!

 

Bei alledem, #BLEIBEN SIE GESUND!!

 

#stayathome  #smallbusinessfirstfootballmillionaireslast  #ordinarypeoplefirstfootballmillionaireslast

 

Hannover, 29 März 2020

 

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© 2013-2020 slv | agentur | sport | logistik | verkehr - letzte Aktualisierung: 15.05.2020